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Stressbedingte Erkrankungen – individuell und behutsam stationär behandeln

11.12.2019, Dialog

Menschen mit stressbedingten Erkrankungen finden auf der Station A13 die geeigneten Behandlungen. Was bedeutet das konkret? Wie äussern sich diese Erkrankungen? Wie wird behandelt? Und wann ist eine Zuweisung auf diese Station angezeigt? Antworten zu diesen und weiteren Fragen geben Andreas Haller, Oberarzt und Marcel Brockhus, Stationsleiter Pflege, der Station A13.

Woran leiden die Menschen, die Sie behandeln?

Die Menschen, die wir auf dieser Station behandeln, sind zwischen 18 und ca. 60 Jahren alt und haben aufgrund ihrer Erkrankung aktuell grosse Schwierigkeiten, das tägliche Leben zu bewältigen, mit Beziehungen umzugehen oder in der Arbeit klarzukommen. Einige sind nach einem einschneidenden Lebensereignis wie z.B. einer Trennung, dem Tod einer nahestehenden Person oder dem Verlust des Arbeitsplatzes in eine seelische Krise geraten. Allein schaffen es diese Menschen kaum, aus der Krise zu kommen.

Was versteht man unter stressbedingten Erkrankungen?

Stress und stressauslösende Ereignisse erleben wir alle. Je nach dem, wie belastend diese Ereignisse sind und wie gut man es versteht, mit den Belastungen umzugehen, führt Stress zu körperlichen und/oder psychischen Erkrankungen. Stressbedingte Beschwerden können sich aber auch im Laufe der persönlichen Entwicklung ergeben. Viele Menschen bekunden insbesondere Mühe damit, die beruflichen Anforderungen mit den persönlichen Ressourcen in Einklang zu bringen. Die Work-Life-Balance ist gestört, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab, Erschöpfung nimmt zu. 

Was brauchen diese Menschen, um aus der Krise zu kommen? Spielt die Umgebung eine Rolle?

Neben der fachkundigen Unterstützung ist es zentral, dass sie sich aus dem üblichen Leben zurückziehen können und dürfen. Eine neutrale, angenehme und ruhige Umgebung tut wohl. Bei uns finden diese Menschen die nötige Ruhe, Rückzugs- und Bewegungsmöglichkeiten sowie ein wohlwollendes, verständnisvolles Miteinander. Wir nehmen uns Zeit für sie, bringen ihnen Verständnis und Respekt entgegen und bauen Vertrauen auf.

Die Station für stressbedingte Erkrankungen ist im stilvollen Haus A13 untergebracht. Die grosszügigen Räume, kleine Nischen, gemütliche Aufenthaltsräume, Rückzugsmöglichkeiten, die grosse Terrasse und der schmucke Garten strahlen Wärme und Geborgenheit aus. Wohnlich eingerichtete Ein- und Zweibettzimmer in hellen Farbtönen, alle mit WC/Dusche, machen den Aufenthalt so angenehm wie möglich. Die Station ist offen geführt und verfügt über 20 Betten.

Welche Ziele werden mit der Therapie verfolgt?

Mit unserem Therapieprogramm streben wir an, dass die Patienten ihre psychische und körperliche Stabilität wiedererlangen. Ziele unserer Behandlungen sind:

  • die Fähigkeit verbessern, mit Stress, Gefühlen und Konflikten umzugehen bzw. diese zu bewältigen
  • das eigene Verhalten in Problemsituationen verstehen und respektieren
  • wieder ein normales Leben im Alltag, in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz führen
  • psychische und körperliche Stabilität wiedererlangen
  • Frühwarnzeichen stressbedingter Belastungen ernst nehmen
  • Rückfälle in Erschöpfung und Stimmungstiefs vermeiden
Worum geht es bei den individuellen Behandlungen, die wir anbieten?

Wir wenden integrative Therapiemethoden an – kognitiv-behavioral, analytisch und systemisch. Zentral ist dabei, sich innerlich zu verändern. D.h. es geht in der Therapie weitgehend darum, sich mit dem Thema Stress auseinanderzusetzen sowie Veränderungen im Denken, Fühlen und Handeln zu bewirken. Entscheidend ist auch, die mentalen und physischen Ressourcen zu aktivieren und Entspannung und Erholung zu erzielen. Für die Rückkehr in das private Leben und den beruflichen Alltag lernen die Patienten Strategien, wie man mit dem Stress umgeht, wie man eine gesunde Lebensbalance aufrechterhält und wie sich berufliche Aufgaben erfolgreich bewältigen lassen.

Welche Therapien werden konkret angewandt?

Wir bieten Einzel- und Gruppengesprächstherapien, insbesondere therapeutische Einzelgespräche, die Gruppentherapie «Soziales Kompetenztraining», die Schmerzgruppe und soziomilieutherapeutische Interventionen. Daneben bieten wir gestaltungstherapeutische und körpertherapeutische Angebote an wie auch meditative Techniken, Achtsamkeits- und Atemübungen sowie «Entspanntes Wachsein». Dabei kommt auch die Bewegung an der frischen Luft in unserem weitläufigen und schönen Naturpark nicht zu kurz. Therapeutisch wichtig sind zudem das Leben in einer Gemeinschaft und die Gestaltung des Alltags.

Wie ist das Team der Station A13 zusammengesetzt? Und welche Rolle spielen die Angehörigen?

Oberarzt Andreas Haller, ärztlich-therapeutischer Leiter der Station, verantwortet die Therapien. Gemeinsam mit Marcel Brockhus, dem pflegerischen Leiter der Station, begleitet er die Patienten während des gesamten Therapieprozesses fachlich.

Das qualifizierte und erfahrene interdisziplinäre Team der Station A13 setzt sich zusammen aus Ärzten, Psychologen, Pflegefachpersonen, einer Bewegungstherapeutin, einem Physiotherapeuten, einem Sozialarbeiter und einer Kunsttherapeutin.

Während der Zeit auf unserer Station steht den Patienten eine pflegerische Bezugsperson persönlich zur Verfügung. Dabei liegt uns viel daran, den Patienten stets auf Augenhöhe, behutsam, verständnisvoll und empathisch zu begegnen. Wir achten sehr darauf, transparent und offen zu sein.

Weiter steht die Entwicklung stressbedingter Erkrankungen oft in Zusammenhang mit Überbelastungen oder Schwierigkeiten am Arbeitsplatz. Daher legen wir Wert darauf, arbeitsbezogene Probleme bereits während des Aufenthalts bei uns anzugehen. Unsere Sozialberatung steht den Patienten für entsprechende Fragestellungen zur Verfügung.

Auch beziehen wir Angehörige frühzeitig in die Behandlung mit ein. Möchte sich jemand darüber hinaus informieren, vermittelt unsere Angehörigenberatung vertiefende Kenntnisse über psychische Krankheiten und über die Schwierigkeiten im Umgang mit psychischen Erkrankungen – für Betroffene wie auch Angehörige. Unsere Angehörigenberatung ist ein Ort, an dem Angehörige ungestört und vertraulich über ihre Belastungen und Sorgen reden können.

Ist es möglich, die Station anzuschauen, bevor man sich entscheidet?

Auf Wunsch führen wir gerne vor dem Eintritt ein Vorgespräch, in dem Andreas Haller als therapeutischer Leiter der Station auf die persönlichen Belastungsfaktoren eingeht. Bei dieser Gelegenheit zeigen wir den Interessierten auch die Station, so dass sie einen Eindruck von den Menschen, Räumlichkeiten und vom Therapieprogramm bekommen.

Zu beachten ist, dass die Station A13 offen geführt ist. Voraussetzung für einen Eintritt ist somit die Fähigkeit, die Verantwortung für sich selbst zu tragen und andere nicht zu gefährden.

Wie lange dauert der Aufenthalt auf dieser Station?

Die Patienten bestimmen die Dauer des Aufenthalts gemeinsam mit der therapeutischen Leitung. In der Regel bleiben die Patienten zwischen vier und zwölf Wochen auf unserer Station.

Wie sind die Patienten dieser Station versichert?

Wir führen ausschliesslich Abteilungen mit Tarifen für allgemeinversicherte Patienten. Der Aufenthalt ist also für Patienten mit obligatorischer Grundversicherung durch die Krankenkasse gedeckt.

Was geschieht mit den Patienten nach Abschluss der stationären Behandlung?

Um eine qualifizierte Nachbehandlung im Anschluss an den Aufenthalt auf unserer Station kümmern wir uns frühzeitig. Denn es ist wichtig, eine für die Patienten richtige Nachbehandlung in gemeinsamer Absprache zu finden und ermöglichen – reibungslos und geregelt.

Wo kann man sich bezüglich Angebot «stressbedingte Erkrankungen» beraten lassen?

Das Behandlungsangebot «Stressbedingte Erkrankungen, Station A13» ist ein gemeinsames kantonales Angebot der «Psychiatrie St.Gallen» – d.h. der Psychiatrie St.Gallen Nord und der Psychiatrie-Dienste Süd. Für die Beratung und Abklärung stressbedingter Erkrankungen stehen unsere Fachspezialisten an allen Standorten der «Psychiatrie St.Gallen» zur Verfügung. Die stationäre Behandlung erfolgt für den ganzen Kanton St.Gallen in Wil.

Welche Erfahrungen haben Sie seit der Einführung des kantonalen Behandlungsangebots anfangs 2019 gemacht?

Sehr gute Erfahrungen haben wir mit Gruppentherapien gemacht. Die Patienten profitieren beispielsweise von der Psychoedukationsgruppe «Umgang mit Stress» oder von der Gruppentherapie «Depression bewältigen».

Wie erfolgt die Anmeldung?

Anmeldungen erfolgen über die Zentrale Anmeldung und Information (ZAI). Sie können auch das Formular «Anmeldung stationär» auf unserer Website verwenden. Siehe «Kontakt/Anmeldung»

Kontakt

Zuweisende Ärzte und Interessenten dürfen sich gerne direkt an uns wenden.

Andreas Haller, Oberarzt Psychotherapie Station A13, Erwachsenenpsychiatrie, +41 71 913 12 08, andreas.haller@psgn.ch

Marcel Brockhus, Stationsleiter Pflege Psychotherapie Station A13, Erwachsenenpsychiatrie, +41 71 913 17 93, marcellus.brockhus@psgn.ch

Vielen Dank Andreas Haller und Marcel Brockhus für dieses aufschlussreiche Interview.

Mögliche Beschwerden bei stressbedingten Erkrankungen

  • Gereiztheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schlafstörungen
  • geringe Belastbarkeit
  • innere Unruhe
  • Lustlosigkeit
  • Erschöpfung
  • körperliche Beschwerden, z.B. Rücken- oder Kopfschmerzen

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