Menu
Logo Psychiatrie St.Gallen Nord - Zur Startseite

Hauptinhaltsbereich

Angststörungen – wenn harmlose Situationen zu unkontrollierbaren Angstzuständen führen

23.04.2020, Dialog

Angst ist eine gesunde, natürliche menschliche Alarmreaktion, die uns schützt und in unserem Körper bei Gefahren die notwendige Energie zum Überleben mobilisiert. Angst kann zu einer psychischen Störung werden, wenn sie unbegründet auftritt, wir stark darunter leiden oder wenn wir wegen der Angst Aktivitäten vermeiden. Die seit Wochen andauernde Pandemie, die reduzierten oder fehlenden sozialen Kontakte, notwendige Isolationen, Ansteckungsfälle im persönlichen Umfeld, veränderte Arbeitsbedingungen, eventuell gar keine Arbeit etc. – sind bedrohliche Situationen und Informationen, die unser Alarmsystem dauernd aktivieren. Durch diese Alarmierung ist unser Körper einem anhaltenden Stress ausgesetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unter dieser Dauerbelastung Angststörungen entwickeln, ist damit leider erhöht. Urs Braun, Leitender Psychologe, im Interview:

Was sind Angststörungen?

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen und treten oft im Zusammenhang mit Stress oder anderen psychosozialen Belastungen (Umwelteinflüssen) auf. Zu den unterschiedlichen Formen der Angststörung gehören spezifische Phobien, Panikattacken oder die generalisierte Angststörung. Die Erkrankung ist mittels verschiedener psychotherapeutischer Verfahren gut behandelbar. Unbehandelt neigen Angststörungen dazu chronisch zu werden und sind ein grosser Risikofaktor für depressive Störungen. Bei über 60% der depressiven Störungen geht eine Angsterkrankung voraus.

In der Regel lösen mehrere zusammenwirkende Faktoren die Erkrankung aus:

  • langanhaltende Belastungen (Stress)
  • innerpsychische Konflikte
  • negative Lebenserfahrungen und biographische Prägungen
  • traumatische Erlebnisse
  • genetische Faktoren
  • gestörtes Gleichgewicht von Botenstoffen (Neurotransmitter)
Ist die Nachfrage nach Behandlungen von Angststörungen durch COVID-19 gestiegen?

Wir hatten in den letzten zwei Wochen ein paar Anfragen von Menschen, die wegen der Pandemie unsicher waren und deren Ängste, die zum Teil vorher schon bestanden, verstärkt wurden. Im Moment können wir aber nicht von einer gestiegenen Nachfrage sprechen. Wir müssen damit rechnen, dass Menschen, die während der Pandemie in Isolation oder Quarantäne waren (oder sonst persönlich betroffen waren), vermehrt psychische Belastungen erleben. Angststörungen sind eine der ersten Störungen, die sich da entwickeln können.

Woran erkennt man, dass eine Behandlung notwendig ist?

Wenn Bereiche des normalen Alltags wegen der Angst beeinträchtigt werden.
Wenn ängstliche Gedanke und Sorgen einem nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Wenn gewisse Situationen oder Orte vermieden werden oder nur unter grosser Angst aufgesucht werden.
Weiterhelfen kann auch der Selbsttest, den Sie unter «Angststörungen» finden.

Warum soll sich jemand für die Behandlung von Angststörungen an die Psychiatrie St.Gallen Nord wenden?

Wir verfügen seit bald zehn Jahren über ein Spezialangebot für Angst- und Zwangsstörungen mit einem Team von gut ausgebildeten Psychologinnen und Psychologen. Spezialisten, die in der Lage sind, evidenzbasiert Psychotherapien anzubieten. In der Regel erhalten Patienten innerhalb von ein bis zwei Wochen ein Erstgespräch.

Wie wird unter den erschwerten Bedingungen behandelt?

Ab Montag, 27. April, arbeiten wir wieder in gewohntem Rahmen, was die ambulanten Einzelgespräche anbelangt. Natürlich immer unter Berücksichtigung der Sicherheitsmassnahmen (Hygiene, Distanz). Für Patienten, die einer Risikogruppe angehören, bieten wir auch Gespräche per Telefon oder Video an.

Welches Ziel wird mit der Therapie verfolgt?

Die Therapien sollen den Patienten helfen, ihre Angst zu bewältigen, sodass sie ihren Alltag wieder ohne Sorgen und Ängste leben können.

Wo wird behandelt?

Das Spezialangebot «Angst- und Zwangsstörungen» bieten wir nur in Wil an. Angststörungen werden aber auch an unseren Standorten in St.Gallen, Rorschach und Wattwil behandelt.

Wohin können sich Betroffene wenden?

Zuweisende Ärzte und Interessenten dürfen für weitere Informationen gerne direkt das Sekretariat «Psychotherapeutische Angebote», Telefon 058 178 10 38, kontaktieren.

Wie erfolgt die Anmeldung?

Anmeldungen erfolgen über die Zentrale Anmeldung und Information (ZAI), Telefon +41 58 178 11 80.

Vielen Dank Urs Braun für dieses aufschlussreiche Interview.

Mehr Details über die Behandlung von «Angststörungen»