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Säntis-Psychiatrie-Tagung 2019 – ein voller Erfolg

07.11.2019, Medienmitteilungen

Am Donnerstag, 7. November, stand an der Säntis-Psychiatrie-Tagung der Psychiatrie St.Gallen Nord die schwierige Frage im Zentrum, was Würde im Kontext von psychischer Gesundheit bedeutet. Rund 300 Betroffene, Angehörige, Fachleute sowie weitere Interessierte trafen sich zur öffentlichen Tagung in der Eventhalle.

Was bedeutet Würde im Kontext von psychischer Gesundheit? Welche Rolle spielt die eigene Wertschätzung auf dem Genesungsweg? Wie können Fachpersonen Betroffene auf ihrem individuellen Weg begleiten und ihre Würde stärken? Wie erleben Angehörige Würde in ihrer Rolle und in Bezug auf ihre Beziehung zur erkrankten Person und wie sind Begegnungen auf Augenhöhe möglich?

Als ganzer Mensch betrachtet werden

Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher verfolgten am Vormittag nach der Begrüssung durch Thomas Maier, Chefarzt der Psychiatrie St.Gallen Nord, das Referat einer Frau mit Psychiatrie-Erfahrung und ein weiteres Referat einer Angehörigen. Beide Vorträge waren sehr persönliche Lebensgeschichten, eindringlich und dicht in ihren Aussagen. Den Referentinnen gebührt grosser Respekt. Auch an der diesjährigen Tagung zeigte sich, dass persönliche Geschichten und Erfahrungen helfen, Situationen zu verstehen. Für alle Beteiligten war es unglaublich wichtig, voneinander zu hören und im Austausch zu sein. Eine Referentin brachte es auf den Punkt: «Würde strahlt aus, ist spürbar. Sie ist eine innere Haltung, die in unserem Handeln, unserem Denken und Sprechen erfahrbar wird. Zentral scheint mir, dass wir einander als ganzen Menschen betrachten.»

Jeder Mensch hat eine Würde

In seinem Referat «Hilft Würde wirklich?» am Nachmittag ging André Böhning, katholischer Seelsorger, Psychoonkologe, systemischer Supervisor und Coach der Psychiatrie St.Gallen Nord auf den unterschiedlichen Umgang mit dem Begriff Würde ein. Als normativer Wert ist sie etwas Unveräusserliches, ein sehr abstrakter und übergeordneter Begriff, von dem sich jedoch alle Menschenrechte ableiten. «Auf den Einzelfall bezogen, bewegen wir uns mit dem Begriff Würde im Spannungsfeld von Autonomie und Selbstbestimmung», erläutert Böhning. Das Recht auf Selbstbestimmung der Patienten wurde in den vergangenen Jahren gestärkt. Der Suche nach der grösstmöglichen Autonomie gegenüber stehen gleichzeitig Werte, die sich verändern: Patienten möchten Angehörigen nicht zur Last fallen, sie wollen nicht abhängig sein. Am deutlichsten wird dieses Ringen um Autonomie in der Psychiatrie durch die Zwangsbehandlungen, die für alle Beteiligten, also Patienten, Fachpersonen und Angehörige oftmals als schwierig und entwürdigend empfunden werden.

Würde wiederherstellen

André Böhning zeigte in seinem Vortrag weiter auf, dass Würde durch den Beistand der Angehörigen und die Behandlung durch die Fachpersonen auch wiederhergestellt werden kann. Der kategorische Imperativ kann und muss auch auf die Arbeit in der Psychiatrie angewandt werden: Wie würde ich selbst gern behandelt werden?

Mehr Toleranz

«Würde ist Anspruch auf Achtung und Respekt von und für alle Beteiligten», so Böhning. Damit plädierte er nicht zuletzt für mehr Toleranz, insbesondere in Fällen, in denen die Gesprächspartner unterschiedliche Würdeverständnisse haben. Vor allem im Dialog und gegenseitigen Verständnis könne die Würde dann auch wirklich helfen.

Ein erfolgreicher Anlass

Für Unterhaltung sorgte das Spiegeltheater «Die Zugvögel», das die Stimmung der einzelnen Vorträge meist humorvoll aufnahm und das Publikum zwischen den einzelnen Beiträgen zu Bewegung animierte. Den Abschluss der Tagung gestalteten Betroffene, Angehörige und Fachleute gemeinsam in gewohnt trialogischer Weise. Die Gäste waren vollends zufrieden, fühlten sich wohl und schätzten den Tag sehr. Die von der Psychiatrie St.Gallen Nord, der VASK Ostschweiz und Trialog St.Gallen organisierte Säntis-Psychiatrie-Tagung war erneut ein voller Erfolg.

Rückblick Säntis-Psychiatrie-Tagung