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Erfahrungsberichte

Von den Erfahrungen anderer lernen

Patienten berichten darüber, wie es Ihnen ergangen ist, wo sie heute stehen und welche Tipps sie an andere weitergeben möchten.

Die Namen wurden geändert und die Inhalte so angepasst, dass keine Rückschlüsse auf Personen gemacht werden können.

  • Nino A., 26 Jahre, Diagnose: Sucht, stoffgebundene Abhängigkeit

    Nino erzählt

    Vor zwei Jahren ist mein Vater an Krebs gestorben. Wir waren ein gutes Team. Mein Vater war der wichtigste Mensch für mich. Um die Gefühle zu dämpfen und weiter arbeiten zu können, habe ich zu Kokain gegriffen. Etwa ein halbes Jahr lang. Danach habe ich etwa ein halbes Jahr lang kein Kokain konsumiert. Da habe ich auch Sport getrieben.

    «Dach auf den Kopf gefallen»

    Nach einem Jahr kam alles mit grosser Wucht wieder hoch. Mein Vater fehlte mir sehr, ich musste mich um die Erbangelegenheiten kümmern, hatte das Haus am Hals und wusste nicht mehr weiter. Ich konsumierte wieder Kokain, dazu auch Alkohol. Es ging nicht allzu lange, bis mich mein Chef darauf ansprach.

    Hausarzt und Psychiater

    Mein Chef bat mich zum Hausarzt zu gehen. Dieser schickte mich zu einem Psychiater. Der Psychiater verschrieb mir ein Anti-Depressivum, das mich noch mehr in ein Loch hinunter zog. Ich war bei der Arbeit kaum zu gebrauchen, weshalb mein Chef mit mir zusammen zum Psychiater ging. Wir hatten gemeinsam vereinbart, dass ich weiter in der Firma arbeiten dürfe, wenn ich kein Kokain und keinen Alkohol mehr konsumiere. Und wenn ich mich wöchentlich einer Urinprobe unterziehe. Der wirkliche Grund, warum ich zu Drogen griff, interessierte niemanden. So waren die Probleme nicht gelöst.

    Erneute Krise

    Im Advent hatte ich eine Krise. Die Gefühle hatten mich überwältigt. Ich wusste, es musste etwas geschehen, weshalb ich mich selber an die Klinik Wil wandte. Meinem Chef und meinen Angehörigen hatte ich erstmal nichts gesagt. In der Psychiatrie St.Gallen Nord in Wil war ich erst auf der Akutstation. Nach zwei Wochen zog ich auf die Suchtstation um. Hier bin ich jetzt. Hier hilft man mir endlich, den Dingen auf den Grund zu gehen.

    Tipps von Nino:

    Manchmal wollen Kollegen oder Freunde helfen, wissen aber nicht wie. Was aber gut ist, ist, wenn man sich anderen anvertraut.

    «Vor einem Klinikaufenthalt haben viele Angst. Hatte ich auch. Aber echt, wenn man mal da ist, ist’s gar nicht schlimm! Für mich war’s das Beste zu jenem Zeitpunkt. Und ganz wichtig: Man kann jederzeit wieder gehen. Ich fühlte mich nie eingesperrt, wie das die Leute oftmals glauben.»

    Für mich sind vor allem die Einzelgespräche sehr hilfreich. Ich finde da viel über mich selber heraus. Die Gespräche mit der Sozialarbeiterin sind auch ganz wichtig und machen Mut. Mein Austrittstermin ist noch offen. Mein Chef kommt für ein Gespräch vorbei. Ich fühle mich gut aufgehoben in Wil und habe eine gute Bezugsperson.

Fachperson

«Vor einem Klinikaufenthalt haben viele Angst. Hatte ich auch. Aber echt, wenn man mal da ist, ist’s gar nicht schlimm! Für mich war’s das Beste zu jenem Zeitpunkt. Und ganz wichtig: Man kann jederzeit wieder gehen. Ich fühlte mich nie eingesperrt, wie das die Leute oftmals glauben.»

Nino A.
Patient stoffgebundene Abhängigkeit

Erfahrungen der Angehörigenberatung

Angehörigen Erfahrungen

Die Angehörigenberaterinnen der Psychiatrie St.Gallen Nord haben im Laufe der Jahre einen grossen Erfahrungsschatz. Sie kennen die Sorgen, Probleme, Herausforderungen und Fragestellungen der Angehörigen. Darüber zu reden ist das A und O. Die Erfahrungen für andere zur Verfügung zu stellen auch.

  • Anna W., 28 Jahre, Diagnose: Bipolare Störung

    Erfahrungsbericht aus Sicht der Mutter

    Sonja W., Mutter von Anna W. mit einer bipolaren Erkrankung, beschreibt im Gespräch sehr eindrücklich, wie ausgeliefert sie sich in jeder manischen Phase ihrer Tochter fühlt. Die erkrankte Tochter missachtet in diesen Phasen jede Form von Privatsphäre, telefoniert zu jeder Tages- und Nachtzeit und fordert immer wieder auch finanzielle Unterstützung. Die Mutter fühlt sich hilflos und hofft – und dafür schämt sie sich noch zusätzlich –, dass es möglichst bald zu einer stationären Behandlung kommt.

    Anmerkung der Angehörigenberaterin

    Im vertraulichen Gespräch mit der Mutter geht es in erster Linie darum, das Verhalten der Tochter in den Kontext der Krankheit zu bringen. Dafür braucht es Erklärungen dazu, was eine manische Phase ist. In einem weiteren Schritt kann die Mutter darin bestärkt werden, Grenzen zu setzen und nicht für alle Wünsche der Tochter zur Verfügung zu stehen.

  • Nico S., 25 Jahre, Diagnose: Schizophrene Psychose

    Erfahrungsbericht aus Sicht des Vaters

    Der Vater von Nico S. mit einer schizophrenen Psychose erzählt in der Angehörigenberatung, was kurz vor der Zwangseinweisung zu Hause passiert ist. Nico, deutlich psychotisch und mit aggressivem Verhalten, kommt morgens um zwei Uhr nach Hause und macht sich, mit viel Lärm verbunden, in der Küche etwas zu essen. Der jüngere Bruder erwacht und bittet um Ruhe, weil er am folgenden Tag in der Schule eine wichtige Prüfung schreiben muss. Auch die Eltern erwachen. Es ist klar, dass die Situation in der Küche kurz vor der Eskalation steht, da sich die beiden Brüder bereits «in den Haaren» liegen. Als der Vater den Älteren auffordert, das Kochen mitten in der Nacht zu unterlassen, eskaliert die Situation tatsächlich. Otto S., Angehöriger schon seit Jahren und sehr vertraut mit der Krankheit seines Sohnes, beschreibt eine unerträgliche Angst und Ohnmacht für die ganze Familie, wenn die Situation zu Hause eskaliert. Die emotionale Belastung bei einer Zwangseinweisung ist für alle Familienmitglieder gross. Und doch gibt es in diesen Situationen oft keine Alternativen.

    Anmerkung der Angehörigenberaterin

    Es ist für die Angehörigen oft sehr hilfreich, wenn sie diese schwierigen Situationen mit einer Fachperson besprechen können. Es ist diese Gratwanderung zwischen Autonomie und Fürsorge, die Angehörige in ein Dilemma bringt und nicht selten ein schlechtes Gefühl bei ihnen hinterlässt. Zur Arbeit der Angehörigenberatung gehört es, mit Angehörigen über Verantwortung zu reden und die Grenzen dieser Verantwortung aufzuzeigen.

  • Sven K., 28 Jahre, Diagnose: Schizophrene Psychose

    Erfahrungsbericht aus Sicht der Mutter

    Vreni K., Mutter eines an einer schizophrenen Psychose erkrankten Sohnes, beschreibt ihre Situation folgendermassen: «Wissen Sie, ich weiss eigentlich ganz genau, dass wir an der Erkrankung unseres Sohnes keine Schuld tragen. Ich habe viel darüber gelesen. Ich habe mit Fachleuten gesprochen und ich kenne die heutigen Erklärungsmodelle – und trotzdem: Immer wieder passiert es mir, dass die Schuld in meinem Hinterkopf anklopft. Sie meldet sich immer wieder und versucht, mir mein Selbstbewusstsein zu rauben. Ich werde dieses Gefühl wohl nie ganz los!»

    Anmerkung der Angehörigenberaterin

    Die Mutter wünschte sich von der Angehörigenberatung Informationen darüber, über welche Bewältigungsstrategien andere Menschen in ähnlichen Situationen berichten. In der Beratung konnte ein vertrauliches Gespräch mit einer anderen Mutter in einer vergleichenden Situation organisiert werden.

  • Elena N., 39 Jahre, Diagnose: Borderline-Persönlichkeitsstörung

    Erfahrungsbericht aus Sicht der Mutter

    Die Mutter von Elena N., einer Patientin mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, kommt in die Beratung. Grund dafür ist, dass ihre Tochter, selbst Mutter einer neunjährigen Tochter, den Kontakt zwischen Grossmutter und Enkelin verbietet, obschon die beiden eine nahe und wertschätzende Beziehung haben. Die Angehörige, gut vertraut mit der Erkrankung ihrer Tochter, fühlt sich in ihrer Situation sehr ohnmächtig und der Erkrankung der Tochter in höchstem Masse ausgeliefert. Das ging so weit, dass sie sich nicht getraute, einer öffentlichen Tanzvorführung der Enkelin beizuwohnen, weil es ihr die Tochter verboten hatte. Sie sei früher eine sehr selbstbewusste und handlungsorientierte Person gewesen, doch heute habe sie kein Vertrauen mehr in ihre Handlungen und fühle sich nicht einmal mehr in der Lage, ihre Beziehung zur Enkelin zu pflegen.

    Anmerkung der Angehörigenberaterin

    Angehörige werden in der Beratung immer wieder darin bestärkt, Vertrauen in ihr eigenes Handeln zu entwickeln. Hilfreich dabei ist es, mit den Angehörigen genau zu schauen, wo sie Handlungsspielraum haben. Für das Fallbeispiel bedeutet das, dass die Grossmutter in der Beratung darin bestärkt wurde, die öffentliche Tanzveranstaltung ihrer Enkelin zu besuchen, da dies ihr Recht ist.

  • Werner K., 61 Jahre, Diagnose: Schwere Depression

    Erfahrungsbericht aus Sicht der Ehefrau

    Werner K., Ehemann von Claudia K. ist zum ersten Mal stationär in psychiatrischer Behandlung. Diagnose: schwere Depression. Dem Eintritt voraus gingen zwei Jahre auf dem landwirtschaftlichen Hof zu Hause, in denen vor allem Claudia K., aber auch die zwei Kinder, Hand anlegten und all das erledigten, wozu Werner K. aufgrund seiner depressiven Entwicklung nicht mehr in der Lage war. Die familiäre Situation war sehr angespannt, da alle nur am Rande der Erschöpfung in der Lage waren, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Aus Angst und Scham wurde das soziale Umfeld bis auf ganz wenige Vertraute nicht in die Situation einbezogen. Infolgedessen konnte das Umfeld auch keine Unterstützung anbieten. Der Punkt, an dem Claudia K. ihrem Mann das Ultimatum stellte, entweder er lasse sich behandeln oder sie verlasse mit den Kindern den Hof, beschreibt Claudia K. als den absoluten Tiefpunkt in ihrem bisherigen Leben. Für sie kommt dieser Schritt mit einem persönlichen Versagen gleich. Sie schämt sich dafür. Der Eintritt von Werner K. in die Klinik ist verbunden mit der Angst, was im Dorf über sie geredet wird.

    Nach zwei Wochen erscheint Claudia K. auf der Angehörigenberatung und beschwert sich massiv darüber, dass es ihrem Mann immer noch nicht besser gehe. Und dass er jedes Mal, wenn sie am Abend mit ihm telefoniere, berichte, er liege im Bett und es kümmere sich niemand um ihn. Den Arzt habe er vorgestern zum letzten Mal gesehen, offenbar sei es ihnen völlig gleichgültig, wie es ihm ergehe. Wahrscheinlich sei er ein Patient zweiter Klasse. Sie hätte schon von anderen im Dorf gehört, dass es in dieser Klinik so zugehe. Nun wolle Werner wieder nach Hause, weil es ihm dort besser gehe. Sie könne dem in dieser Situation nichts entgegenhalten. Sie sei sehr enttäuscht von der Klinik, der Aufenthalt habe ja gar nichts gebracht und sie werde nie wieder eine Fachbehandlung für ihren Mann in Erwägung ziehen.

    Anmerkung der Angehörigenberaterin

    In einer solchen Situation kann die Angehörigenberatung einfach einmal die Not und Sorgen der Ehefrau entgegennehmen und die schwierige Situation und das, was sie alles geleistet hat in den letzten Monaten, würdigen. Dann geht es im vertraulichen Gespräch darum, der Ehefrau zu erklären, was die Psychiatrie kann und aufzuzeigen, dass die Therapie einer psychischen Erkrankung oft viel Zeit braucht. Dazu gehören auch Informationen über Depressionen und deren Symptome. Es kann für alle Beteiligten hilfreich sein, dass ein solches Gespräch ausserhalb des Behandlungssetting von einer neutralen Fachperson geführt wird.

  • Michael E., 27 Jahre, Diagnose: Psychotische Episoden

    Erfahrungsbericht aus Sicht der Eltern

    Die Angehörigenberatung der Psychiatrie St.Gallen Nord bietet Psychoedukationsgruppen zu Psychosen und Schizophrenie, um die Angehörigen über diese Erkrankungen zu informieren. In der Psychoedukationsgruppe zu Psychosen sitzt ein Elternpaar. Sie erzählen von ihrem Sohn, der nach dem ersten Klinikaufenthalt wieder zu Hause ist. Die Familie hat einen Landwirtschaftsbetrieb und der Sohn arbeitet im Betrieb mit, nachdem er eine Ausbildung zum Maschinenmechaniker absolviert hatte. Schon der Klinikaufenthalt war für den Betrieb eine grosse Belastung, denn der Sohn fehlte während der Erntezeit auf dem Hof. Ein zusätzlicher Arbeiter musste angestellt werden. Aktuell ist Winter und der Sohn sollte die landwirtschaftlichen Geräte für die nächste Saison überprüfen und wieder betriebsbereit machen. Nun ist er aber häufig sehr müde, kann nicht – wie früher – stundenlang der körperlich anstrengenden Arbeit nachgehen. Er braucht immer wieder Pausen. Das Familienklima ist sehr angespannt, insbesondere der Vater kann kaum verstehen, was dem Sohn eigentlich fehlt. Das belastet und verunsichert auch die Mutter enorm. Beide Elternteile haben das Gefühl, der Sohn sei lediglich faul und drücke sich vor der Arbeit.

    Anmerkung der Angehörigenberaterin

    Die Psychoedukation half in diesem Fall sehr eindrücklich, das Verständnis der Eltern für die krankheitsbedingten Einschränkungen des Sohnes zu fördern. Als die Eltern nicht mehr das Gefühl hatten, ihr Sohn sei faul und drücke sich, sondern als sie verstanden, dass er die elterlichen Erwartungen momentan aufgrund seiner Erkrankung nicht erfüllen konnte, änderte sich die familiäre Situation schlagartig. Im weiteren Verlauf konnte mit allen Beteiligten ein Prozedere für die nächsten Wochen ausgearbeitet werden, das für alle zufriedenstellend war. Informierte Angehörige vertrauen vermehrt auf ihr eigenes Handeln. Das immer wieder beschriebene Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit bezieht sich sehr oft darauf, dass Angehörige sich der Krankheit ausgeliefert fühlen. Geht es dem Betroffenen schlecht, geht es auch den Angehörigen schlecht. Sie sehen keine Handlungsmöglichkeiten und die eigenen Bedürfnisse werden hintangestellt. Es ist ein Gefühl, der Krankheit «ausgeliefert» zu sein, das Angehörige beschreiben. Ein informatives Gespräch oder eine Angehörigengruppe kann dagegen sehr hilfreich sein.

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Edith Scherer

Leiterin Angehörigenberatung

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