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Im Corona-Einsatz

Mit welchen Problemstellungen waren die Mitarbeitenden konfrontiert, die direkt im Corona-Einsatz standen? Gab es besondere Ereignisse oder spezielle Begebenheiten? Und wie gestaltet sich der Alltag heute? Wir haben nachgefragt:

Stephan Goppel, Leitender Arzt in der Funktion als Betriebsarzt und Hygieneverantwortlicher

Goppel

Welches waren die grossen Herausforderungen?

Stephan Goppel: Herausfordernd war für mich, innerhalb sehr kurzer Zeit das notwendige Wissen über COVID-19 zusammenzutragen und es weiterzugeben. Auch die Hygienegruppe zusammenzustellen und zu helfen, für das Unternehmen den Krisenstab aufzubauen, waren grosse Herausforderungen. Die Mitarbeitenden Anfang März an den beiden Informationsveranstaltungen zu informieren, hat Spass gemacht. Die beiden Mitarbeiterinfos waren genau zu Beginn der Corona-Pandemie in der Schweiz und daher gute Gelegenheiten, um über Corona aufzuklären. Ich bin dankbar, dass alle wichtigen Entscheide im Team erarbeitet und gefällt wurden. In meinem Fall waren das das Hygieneteam und die Mitglieder des Krisenstabs. Eine weitere Herausforderung war, rasch dafür zu sorgen, dass die PSGN selbst Abstriche für Corona-Testungen durchführen konnte.

Wie verliefen die Testungen? Können Sie Zahlen nennen?

Stephan Goppel: Bei den Mitarbeitenden hatten wir bis zum 1. Juli vier positiv getestete Fälle. Diese Tests waren ausserhalb des Unternehmens durchgeführt worden. Bei den Patienten machten wir mehrere Dutzend Tests. Ein einziger von diesen Tests war positiv. Diese Patientin hatte glücklicherweise einen milden COVID-19-Verlauf und konnte direkt zu Beginn der Corona-Infektion verlegt werden, so dass die Ansteckungsgefahr für die Mitarbeitenden und Patienten der PSGN niedrig war. In der PSGN waren weitere, vereinzelte Corona-Patienten in Behandlung, bei denen die COVID-19-Diagnose bei Eintritt schon bekannt war. Zu betonen ist, dass wir im Unternehmen, im Kanton St.Gallen und in der Ostschweiz bisher einen milden Corona-Pandemie-Verlauf hatten.

Was wurde unternommen, wenn ein Mitarbeitender oder Patient positiv getestet wurde?

Stephan Goppel: Wir haben in solchen Fällen eruiert, ob sie in der Ansteckungsphase Kontakt mit anderen Mitarbeitenden oder Patienten hatten. Glücklicherweise war das bei den COVID-19-erkrankten Mitarbeitenden nicht der Fall. Diese Mitarbeitenden waren in der fraglichen Zeit daheim. Bei der einen positiv getesteten Patientin, haben wir alle Mitarbeitenden der Station und alle Mitpatienten untersucht. Alle Tests waren negativ. Gut möglich, dass diese Person wenig ansteckend war oder dass unsere verschärften Hygienemassnahmen fruchteten.

Gab’s extreme Situationen, Besonderes, spezielle Erlebnisse?

Stephan Goppel: Speziell freut es mich, wie die PSGN und die Ostschweiz die Krise bisher gemeistert haben. Weiter erachte ich die gute Zusammenarbeit in der PSGN als erwähnenswert – innerhalb der Hygienegruppe, innerhalb des gesamten Unternehmens und im Krisenstab. Auch die Patientinnen und Patienten haben gut mitgemacht und waren verständnisvoll. Für mich ist es schön, bei der Corona-Arbeit einige Mitarbeitende kennengelernt zu haben, mit denen ich sonst sehr wenig zu tun hätte. Ich denke da z.B. an die Damen der Reinigung oder an Fabio Dei Cas, Leiter Beschaffung und Logistik.

Was erhoffen Sie sich von der Serologie, die bei uns durchgeführt wird?

Stephan Goppel: Es handelt sich hier um einen weiteren Baustein, um Corona zu verstehen. Welche Mitarbeitende haben Antikörper im Blut und hatten somit Kontakt mit dem Virus und welche nicht? Wir vermuten, dass bisher eher wenige damit Kontakt hatten. Die Serologie ist auch ein Baustein für die Entwicklung des Impfstoffs. Für die weitere Bewältigung der Pandemie ist es sehr wichtig, ob und wann eine Impfung eingeführt wird.

Wie wird sich die Pandemie weiterentwickeln?

Stephan Goppel: Das ist schwer zu sagen. Bisher ist sie in der Ostschweiz sanfter verlaufen, als zu Beginn befürchtet wurde. Ich rechne mit einem wellenhaften Verlauf. Verschärfungen der Hygienemassnahmen und lokale starke Beschränkungen, wenn plötzlich die Fallzahlen stark steigen, sollte man einplanen. Es ist hilfreich, «auf Sicht zu fahren». Mittel- und langfristig wird man sehen, was das «social distancing» – keine Berührungen, keine Umarmungen, keinen Handschlag – für unsere Gesellschaft bedeutet und welche Folgen die wirtschaftlichen Auswirkungen nach sich ziehen.

Ruedi Custer, Leiter Gastronomie, zur Arbeit in der Küche

Custer

Welches waren die grossen Herausforderungen?

Ruedi Custer: Die Vorgaben von Krisenstab und Bundesrat in die Praxis umzusetzen war nicht für alle Mitarbeitenden einfach. Vor allem ab dem «Lockdown» vom 16. März war’s mit den zwei Metern Abstand schwierig – auch in den Pausen, draussen unter den Bäumen.

Wurden die Hygienemassnahmen verschärft?

Ruedi Custer: Obwohl in der Küche die Hygiene stets ein wichtiges Thema ist, musste ich die zusätzlichen Massnahmen vermehrt erwähnen und strikt kontrollieren. Erschwerend war, dass von Montag bis Sonntag unterschiedliche Teams zusammenarbeiteten. Zusätzlich mussten wir am Anrichteband vom 16. März bis 15. Juni, mittags und abends, während ca. eineinviertel Stunden einen Mundschutz tragen. Zudem war der Mindestabstand von zwei Metern schwierig einzuhalten.

Gab’s extreme Situationen, Besonderes, spezielle Erlebnisse?

Ruedi Custer: Ein spezielles Erlebnis war die freudige Reaktion der Mitarbeitenden, als am 15. Juni die Mundschutzpflicht aufgehoben war. Die Mitarbeitenden wirkten richtiggehend erlöst. Ein besonderer Umstand war für uns auch die Reduktion der Anzahl Essen im Restaurant. Wir hatten nur noch Mitarbeitende als Gäste. Auch konnten keine Veranstaltungen mehr durchgeführt werden. Das Take-away-Angebot ist sehr gut angekommen, die Toleranz aller Mitarbeitenden war gut. Schade allerdings, dass die Mitarbeitenden bei schönem Wetter die Mittagspausen nicht – oder nur sehr wenig – auf dem Dorfplatz verbracht haben. Wir bedauern es sehr, in diesem Jahr keinen Dorfplatzbetrieb anbieten zu können, weil eine Buffetbedienung nicht möglich ist.

Michaela Simonik, Pflegeexpertin APN in der Funktion als Mitglied der Hygiene-Gruppe (inkl. Hotline, Tests)

Simonik

Welches waren die grossen Herausforderungen?

Michaela Simonik: Seit Beginn der Corona-Pandemie war die Entwicklung sehr dynamisch. Die Empfehlungen des BAGs, des Kantons St.Gallen und der Swissnoso wurden sehr häufig revidiert und den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst. Zum Teil wurden die Einsichten aber nicht identisch kommuniziert. Dieser Prozess war sehr schnelllebig und nicht vorhersehbar. Wir mussten täglich die offiziellen Anpassungen der steuernden Institutionen lesen, sehr unübersichtliche Darstellungen entschlüsseln und die relevanten Informationen mühsam heraussuchen. Mit der Zeit wurde es zum Glück transparenter. Wir passten diese Empfehlungen an unser Unternehmen, unsere Bedürfnisse und unsere Infrastruktur an. Doch kaum hatten wir in der Hygienegruppe unsere Weisungen erarbeitet, wurde erneut eine Adaptierung nötig.

Eine grosse Herausforderung war auch, die neuen Erkenntnisse den Stationen zu vermitteln. Wie können alle über die laufenden Anpassungen und Weisungen wie das Tragen einer chirurgischen Maske, die Abstandregelungen und die infektionsbedingte Isolation auf den Stationen informiert werden? Vor allem am Anfang haben sich die Unsicherheiten und Ängste im Umgang mit der Thematik auch bei der Hotline wiedergespiegelt. Es gingen täglich mehr als zehn Anrufe ein, heute ist es noch einer pro Woche. Die Präsenzzeit für die Hotline wurde zeitweise auf 8.00 bis 20.00 Uhr festgelegt, später konnten wir kontinuierlich reduzieren. Die häufigsten Fragen betrafen den ungeschützten Kontakt mit einer positiv getesteten oder symptomatischen Person, die Risikopersonen sowie die konkreten Hygieneregeln und deren Umsetzung auf den Stationen.

Wir haben anfänglich sehr viel Zeit investiert und vieles geregelt. So haben wir z.B. auch die Corona-Station eingerichtet, die glücklicherweise nicht benutzt werden musste. Im Moment erfolgt eine Konsolidierung.

Gab’s extreme Situationen, Besonderes, spezielle Erlebnisse?

Michaela Simonik: Nachdem auf einer Station eine Patientin positiv getestet wurde, mussten wir Mitpatienten sowie Personal testen und ein Kontakt-Tracing durchführen. Das war administrativ wie auch organisatorisch eine Herausforderung, die wir gemeinsam sehr gut bewältigen konnten.

Amüsante Situationen hat Rosmarie Sprenger (Hygienegruppe) erlebt, als sie mit einem Zweimeterstab «bewaffnet» auf den Stationen herumspazierte und so die zwei Meter Abstandsregelung veranschaulichte.

Wie verhalten sich die Mitarbeitenden heute?

Michaela Simonik: Ich erlebe viele als rücksichtsvoller; besorgt, den empfohlenen Abstand zueinander zu halten und die Hygieneregeln zu beachten. Persönlich finde ich es sehr schwierig, beim Treffen mit anderen Personen die Hände nicht zu schütteln. Ich ertappe mich immer wieder, dass die «alte» Gewohnheit Oberhand hat.

Ilona Scheuring, Leiterin Empfang

Scheuring

Welches waren die grossen Herausforderungen?

Ilona Scheuring: Die grösste Herausforderung war zu Beginn, mit den widersprüchlichen Informationen im Zusammenhang mit der Zutrittskontrolle umzugehen. Wir erhielten telefonisch Informationen, die anders waren als jene, die wir kurz zuvor persönlich am Empfang erhielten. Es bestand viel Klärungsbedarf, was Zeit und Nerven kostete. Auch die fast täglich wechselnden Vorschriften und Empfehlungen waren aufreibend.

Gab’s extreme Situationen, Besonderes, spezielle Erlebnisse?

Ilona Scheuring: Eher schwierig war, dass auch die Polizei und die Ambulanzmitarbeitenden durch die Zutrittsschleuse mussten, was vor allem von den Ambulanzmitarbeitenden nicht verstanden wurde. Ein Nebenschauplatz war, dass durch das Zelt vor dem Eingang der Empfang nicht mehr gelüftet werden konnte. Die Temperatur im Eingangsbereich stieg deswegen merklich an. Positiver Nebeneffekt des Zeltes mit der Zutrittskontrolle war, dass niemand draussen auf den «Bänkli» sass und rauchte.

Wie verhalten sich die Besucher heute? Stellen Sie eine «neue Normalität» fest?

Ilona Scheuring: Für die meisten Besucher ist es klar, dass es irgendeine Form von Identifikation braucht. Sie kommen der Selbstdeklarationspflicht ganz selbstverständlich nach. Uns ist aber aufgefallen, dass sich vor allem Angehörige von anderen Institutionen schwertun und auch mal schnippische Bemerkungen machen, ob das jetzt sein müsse. Die Händedesinfektion ist zum Standard geworden.

Melanie Roduner, Stationsleiterin Pflege Alters- und Neuropsychiatrie

Roduner

Welches waren die grossen Herausforderungen?

Melanie Roduner: Zu Beginn änderten sich die Weisungen beinahe täglich. Zusätzlich zu den Weisungen des Krisenstabs kamen oft im Nachhinein noch Weisungen speziell für die Alters- und Neuropsychiatrie. Dies löste Unsicherheiten aus. Alle Weisungen jeweils auf die Station herunterzubrechen und dafür zu sorgen, dass alle Teammitglieder immer auf dem neusten Stand sind, war für mich eine grosse Herausforderung und benötigte viele Ressourcen. Zusätzlich war es wichtig, dass alle Patienten zeitnah informiert wurden und wir dafür sorgten, dass die Massnahmen auch umgesetzt wurden.

Immer wieder hörten wir von neuen Notfallszenarien (Schliessung von Stationen, Öffnung einer Corona-Station, bei der unsere Oberärztin die Leitung übernommen hätte, Einsatz von Mitarbeitenden auf anderen Stationen usw.). Auch dies löste Unsicherheiten aus. Wir wussten nicht, was das für unsere Arbeit auf der Station bedeuten könnte.

Für mich war es immer wichtig, dass die Patienten trotzdem an einem individuellen Therapieprogramm teilnehmen können. Dies zu organisieren, benötigte einen hohen Zeitaufwand. Viele Telefonate mit Therapeuten, täglicher Mehraufwand bei der Therapieplanung mit den Patienten usw.

Auch das Team musste sich an neue Abläufe im Alltag gewöhnen. Räumlichkeiten mussten umgenutzt werden, Austauschgefässe wie IBK, Visiten, Rapporte mussten umgeplant werden. Alles in allem habe ich aber die allgemeine Zusammenarbeit als sehr positiv erlebt. Jeder versuchte in seinem Rahmen das Möglichste. Bei Fragen oder Unklarheiten erhielt ich meist eine klare Antwort.

Gab’s extreme Situationen, Besonderes, spezielle Erlebnisse?

Melanie Roduner: Gleich in der ersten Woche mussten wir zwei Patienten wegen Corona-Verdachtssymptomen bei uns auf der Station im Zimmer isolieren. Auch dies stellte eine grosse Herausforderung dar und war vor allem für das Pflegeteam mit hohem Zeitaufwand verbunden. Die Situation löste auch Unsicherheiten bei den Patienten aus – was sie teilweise auch zu frühzeitigen Austritten bewegte.

Wie verhalten sich die Mitarbeitenden und Patienten heute auf der Station? Neue Normalität?

Melanie Roduner: Grundsätzlich werden die Massnahmen von den Mitarbeitenden und Patienten gut eingehalten. Im Team hat sich sicher auch eine «neue Normalität» eingestellt. Bei den Patienten ist dies anders. Da ist es nach wie vor so, dass sie im Alltag immer wieder auf die Richtlinien – insbesondere die Hygiene-Richtlinien – hingewiesen werden müssen.

Rose Ehemann, Leiterin Ateliers – Living Museum

Ehemann

Welches waren die grossen Herausforderungen?

Rose Ehemann: Als die ersten Bestimmungen durchgegeben wurden, mussten wir das zentrale Therapiekonzept der Ateliers – Living Museum und des Naturateliers komplett auf den Kopf stellen. Im ersten Schritt ging es darum, die verschiedenen Ateliers den einzelnen Stationen zuzuteilen, um eine Durchmischung von stationären Patienten zu vermeiden. Die ambulanten und tagesklinischen Patienten mussten informiert werden, dass sie bis auf Weiteres nicht mehr kommen konnten. Da pro Station nur vier Patienten aufgenommen werden durften, halbierten wir zum Teil die üblichen Therapiezeiten und belegten jeden einzelnen Raum der Ateliers – Living Museum die ganze Woche über. Die Ateliers mussten sehr flexibel handeln, denn sie mussten alle künstlerischen Verfahren und Materialien anbieten, um den Bedürfnissen der Patienten zu entsprechen. Zudem achteten wir auf eine strenge Einlasskontrolle (Fieber, Händedesinfektion), dass Mitarbeitende und Patienten Masken trugen, auf Desinfektionen aller Arbeitsplätze zweimal täglich sowie auf mehrmals täglich gelüftete Räume.

Die Mitarbeitenden kamen jeden Morgen zusammen, um das Mitarbeiter-Monitoring durchzuführen und über eventuelle Neuerungen zeitnah informiert zu werden. Beeindruckend war der grosse Zusammenhalt, die Loyalität und die hohe Flexibilität aller Mitarbeitenden aus den Ateliers – Living Museum und dem Naturatelier. Dafür bin ich sehr dankbar.

Gab’s extreme Situationen, Besonderes, spezielle Erlebnisse?

Rose Ehemann: Es fiel uns sehr schwer, vor allem den Pflegeheim-Bewohnenden und anderen Stammgästen zu vermitteln, dass sie im Café Living Museum leider im Moment keinen Kaffee bekommen.

In der Anfangszeit, als wir maximal vier Personen therapeutisch begleiteten, war die Beziehungsgestaltung in der Arbeit deutlich intensiver. Wir konnten viel mehr Zeit für eine Person aufwenden. Spezifische künstlerische Projekte wie die Ausstellung «Tagträumen» (7. Dezember im Kunstmuseum im Lagerhaus St. Gallen) sowie das Thema «Stolz durch Kopfbedeckungen» (Mad Pride Parade im kommenden Frühjahr in Bern) konnten schneller entwickelt werden, da bei den Kunstschaffenden weniger die individuellen Themen im Vordergrund standen. Sie inspirierten sich vielmehr gegenseitig zu kollektiven Arbeiten. Die Solidarität wuchs meiner Wahrnehmung nach auch unter den Patienten. Sie entwickelten viel mehr gegenseitiges Verständnis und verhielten sich sehr emphatisch.

Die Kunstschaffenden der Ateliers – Living Museum setzten sich auch künstlerisch mit dem Thema Corona-Virus auseinander. So sind bemerkenswerte Kunstwerke entstanden, welche die Krise und die damit verbundenen Gefühle zum Ausdruck bringen. Die Kunst bietet Orientierungsmöglichkeiten in krisenhaften Momenten. Der kreative Ausdruck entlastet, bannt Ängste und die Situation wird erträglicher.

Besonders herausstreichen möchte ich, dass uns der PSGN-Krisenstab kompetent und speditiv durch die Krise geführt hat. Wir wurden sehr zeitnah und transparent über alle Änderungen informiert und konnten jederzeit bei Unsicherheiten nachfragen. Das vermittelt uns Sicherheit in dieser unsicheren Zeit.

Wie war das Verhalten der Patienten, als sie wieder kommen durften? Gab es Vorbehalte? Ängste?

Rose Ehemann: Obwohl wir uns bemühten, den Kontakt zu den ambulanten Patienten via Telefon zu halten, waren sie sehr dankbar und glücklich, als sie wieder die Therapie-Angebote nutzen durften. Einige äusserten, dass es höchste Zeit gewesen sei. Zu stark hätte das Gefühl von Isolation und das Gefühl von Ausgegrenzt-Sein zugenommen. Manche kamen auch in eine psychische Krise und wurden stationär aufgenommen. Wahrnehmbar war, dass einige Menschen ihre Ohnmachtsgefühle mit dem Bedürfnis kompensierten, Kontrolle auszuüben. Das hiess zum Beispiel, dass sie Materialien und Verfahren wählten, die kontrolliertes Arbeiten und somit Selbstkontrolle ermöglichten. Diese Tendenz konnte ich auch bei mir selbst feststellen. In Zeiten der Unsicherheit versuche ich, anstehende Aufgaben gezielter und sorgfältiger anzugehen, um einen drohenden Kontrollverlust zu vermeiden.

Wie verhalten sich die Mitarbeitenden und Patienten heute in den Ateliers? Neue Normalität?

Rose Ehemann: Bis heute sind die Mitarbeitenden sehr achtsam. Gerade jetzt, wo die Fallzahlen wieder steigen, bemühen wir uns intensiv, die Hygiene- und Schutzmassnahmen weiterhin streng durchzuführen. Die Stimmung unter den Patienten ist diesbezüglich durchzogen. Manche sehen den Sinn des Maskentragens nicht, wiederum andere äussern, dass sie sich bei uns besonders sicher fühlen, da wir im Haus so penibel auf das «Social Distancing» achten und falls nicht einhaltbar, Masken tragen werden. Allerdings ist immer wieder zu beobachten, dass ausserhalb des Gebäudes die Distanzregeln vergessen werden. So sind wir auch dort stets gefordert, zu sensibilisieren und die Menschen daran zu erinnern. Auch muss im Moment noch täglich eine Selbstdeklaration ausgefüllt und unterschrieben werden, um die Nachvollziehbarkeit der anwesenden Personen im Haus zu gewährleisten.

Zusammengefasst sind alle Mitarbeitenden der Ateliers sehr dankbar, dass sie die ganze Zeit während der Corona-Krise weiterarbeiten durften, wenn auch unter anderen Umständen.

Alex Schrenker, Mitarbeiter Erwachsenenpsychiatrie über Sportangebote

Schrenker

War es während der strengeren Corona-Zeit möglich, das Sport- und Bewegungsangebot aufrechtzuerhalten?

Alex Schrenker: Trotz der Corona-Massnahmen konnten wir das Sport- und Bewegungsangebot, unter Einhaltung der Vorgaben, in angepasster Form weiterführen. So konnten die stationsbezogenen Angebote ohne Ausfall aufrechterhalten werden. Dabei wurde die Gruppengrösse auf vier Teilnehmer reduziert. Zudem musste der Abstand von zwei Metern ständig eingehalten werden. Inhaltlich war man so zwar etwas eingeschränkt, dennoch war mit etwas Kreativität vieles möglich wie z.B. Nordic Walking, Tennis, GoBa, Boule/Boccia, Kraft- und Ausdauertraining, Spaziergänge. Die stationsübergreifenden Angebote wie der Tischtennis-Treff, die Jogginggruppe/Vita Parcours sowie die Fussballgruppe konnten aufgrund der Vorgaben nicht mehr durchgeführt werden. Denn eine Durchmischung von Patienten unterschiedlicher Stationen war nicht möglich. Die Termine für diese Gruppen wandelten wir in zusätzliche stationsspezifische Angebote um, angepasst an den Bedarf der Stationen. Damit versuchten wir den Ausfall der offenen Sportgruppen zu kompensieren. Es war teilweise auch sehr angenehm, in kleineren Gruppen individueller auf die Patienten eingehen zu können.

Wurde die Fortführung des Angebots während der einschränkenden Corona-Massnahmen von Seiten der Patienten geschätzt?

Alex Schrenker: Insgesamt war es schon auffällig, dass die Patienten in der Zeit sehr unter den veränderten Besuchs- und Ausgangsregeln litten und die Gesamtsituation eine zusätzliche Belastung darstellte. Hier konnten wir die Stationen, die das auffangen mussten, gut unterstützen und den Patienten einen gewissen Ausgleich bieten. Von Seiten der Patienten erfuhren wir eine grosse Wertschätzung, da der Sport häufig eine der wenigen Möglichkeiten für sie war, auch mal die Station zu verlassen.

Wie sieht es aktuell mit dem Sport- und Bewegungsangebot aus?

Alex Schrenker: Seit letzter Woche sind die stationsübergreifenden Sportangebote (Tischtennis-Treff, Jogginggruppe/Vita Parcours, Fussball) wieder geöffnet. Hierfür war ein COVID-19 Schutzmassnahmen-Konzept nötig, das wir im Austausch mit dem Hygieneteam und dem Krisenstab ausgearbeitet haben. Darin wurden die Rahmenbedingungen für eine Wiederaufnahme der stationsübergreifenden Sportangebote festgelegt, unter Einhaltung der gesundheitlichen sowie epidemiologischen Vorgaben des BAG. Die erfolgreiche praktische Umsetzung wurde auch dank der guten Mitarbeit der Patienten möglich. Es ist schön zu sehen, dass wieder mit Freude und Spass Sport getrieben werden kann.

Herzlichen Dank allen, die in sehr kurzer Zeit unsere Fragen beantwortet und dazu beigetragen haben, dass wir ein paar Eindrücke vermitteln können. Die Umfrage umfasst nicht alle Bereiche «im Corona-Einsatz».

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Dieses Bild zeigt ein Foto von Marion Grunauer
Marion Grunauer
Marketingplanerin FA, Online- und PR-Redakteurin

Stv. Leiterin Kommunikation