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Neu: Komplementärmedizin im Ambulatorium Wil

25.05.2016, Dialog

Komplementärmedizin hat eine lange Tradition in der Volksheilkunde und in deren Wirkungsverständnis. Mit dem neuen Angebot Komplementärmedizin, das dem Ambulatorium Wil angegliedert ist, sind diese Behandlungsmethoden nun fest in der Angebotsstrategie der Psychiatrie St.Gallen Nord verankert.

Das Bedürfnis nach komplementärmedizinischer Behandlung bei psychisch kranken Menschen ist längst bekannt. Um diesem gerecht zu werden, wurde in der Psychiatrie St.Gallen Nord seit 2014 an einem Konzept zur Verankerung solcher Behandlungsangebote gearbeitet. Dieses trägt nun mit dem neuen Bereich für Komplementärmedizin ab 2017 Früchte. Bis dahin war es jedoch ein langer Weg.

Ab 1980 – Naturheilkunde findet Einzug in der Psychiatrie St.Gallen Nord

Schon in den 1980er Jahren wurden in der Psychiatrie St.Gallen NordNaturheilverfahren eingesetzt. So bot die damalige Suchtstation A09/2 im Jahr 1986 entsprechende Therapien an. 1999 wurden erstmals Verantwortlichkeiten, Kompetenzen, Aufgaben sowie Qualitätsstandards bei der Anwendung von Heilverfahren festgelegt, mit dem Projekt «Heilverfahren in der Pflege». In den folgenden Jahren variierte die Anwendung von Naturheilverfahren auf den Abteilungen stark. Sie hing vor allem vom Wissen und Engagement einzelner Pflegefachpersonen ab. Dies zeigte eine Untersuchung zur Integration pflegerischer und therapeutischer Naturheilverfahren im Jahr 2005.

2008 – einheitliche Standards werden geschaffen

Vereinheitlicht wurde die Handhabung 2008. Mit Einführung des Konzepts Komplementärmedizin, das die Integration pflegerischer und therapeutischer Naturheilverfahren in den Stationsalltag zum Ziel hatte. Die Umsetzung beinhaltete Verordnungs-, Behandlungs-, und Dokumentationsstandards für Ohrakupunkturbehandlung nach dem sog. NADA-Protokoll. Die Evaluation der Arbeit wurde an internationalen Kongressen vorgestellt.

2009 – die Schweiz spricht sich für Komplementärmedizin aus

Kurz darauf nahm das Schweizer Stimmvolk im Jahr 2009 mit Zweidrittelmehrheit den Verfassungsartikel zur Komplementärmedizin an. Und ab 2012 gehörten erneut fünf komplementärmedizinische Behandlungsmethoden zum Leistungskatalog der obligatorischen Grundversicherung: die Anthroposophische Medizin, die Homöopathie, die Neuraltherapie, die Phytotherapie und die Traditionelle Chinesische Medizin.

2014 – das Konzept Komplementärmedizin nimmt Formen an

In den vergangenen Jahren arbeitete ein interdisziplinäres Team am Konzept. Diego Gheza und Christian Saier, Pflegefachpersonen mit hoher Affinität zum Thema, wurden unterstützt von Annegret Schlaeppi, Leiterin Ambulatorium Wil. Chefarzt Ulrich Hemmeter begleitete die konzeptionelle Arbeit und im Rahmen der neuen Angebotsstruktur nahm sich Chefarzt Thomas Maier dem Projekt an.

Ambulante Behandlungen als erster Schritt

Das Konzept Komplementärmedizin sieht eine stufenweise Einführung vor, beginnend mit der rein ambulanten Tätigkeit. Das heisst, dass Patienten das Angebot vorerst ambulant zur Behandlung nutzen können. Zudem bestehen entsprechende Beratungsangebote für Patienten, Angehörige und Fachpersonen. Ärztliche Kollegen der Psychiatrie St.Gallen Nord können auf Wunsch für Patienten ein Konsilium anfordern. Das Angebot Komplementärmedizin setzt zudem auf ein weiteres anerkanntes Verfahren. Ergänzend zu den in der Psychiatrie St.Gallen Nordetablierten Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit NADA, Shiatsu und Qi-Gong wird neu die Anthroposophisch erweiterte Medizin (AEM) angeboten. Die ärztliche Fachorganisation FMH stellt seit 1999 auch einen Fähigkeitsausweis für Anthroposophisch erweiterte Medizin (AEM) aus und ist seit 2014 mit einer Professur an der Universität Bern vertreten.

Was lange währt…

Einiges wird Ihnen beim Lesen bekannt vorgekommen sein. Und einige Verfahren sind bereits so etabliert, dass ihr Ursprung aus der Naturheilkunde gar nicht mehr bekannt ist. Wie bereits erwähnt, Komplementärmedizin hat eine lange Tradition…

Annegret Schläppi, Leiterin Ambulatorium Wil und Komplementärmedizin

Was ist Komplementärmedizin?

Komplementär kommt von (franz.) complémentaire und heisst «ergänzend». Komplementärmedizinische Behandlungen stammen aus der Naturheilkunde, der «Volksheilkunde». Entgegen der Alternativmedizin, die anstatt anderer Behandlungen eingesetzt wird, unterstützt die Komplementärmedizin diese und konkurrenziert sie nicht. Es sind Heilverfahren, die pflanzliche oder mineralische Medikamente durch Einnahme oder äusserliche Anwendung verabreichen. Auch achtsame Bewegungstherapien und künstlerische Therapieformen gehören dazu.