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«Die Kluft zwischen Somatik und Psychiatrie schliessen.»

26.03.2018, Dialog

Erfahren Sie im Interview mit Dr. med. Andreas Fuchs, wie der Anfang des Jahres beförderte Leitende Arzt dieses Vorhaben umsetzen möchte. Seit Februar 2018 leitet er die Ambulanten Dienste Wil einschliesslich des Ambulatoriums für Alters- und Neuropsychiatrie sowie des Konsiliar- und Liaison-Dienstes Wil. Andreas Fuchs berichtet, wann und warum Sie jemanden an die Ambulanten Dienste der Psychiatrie St.Gallen Nord zuweisen sollten.

Andreas Fuchs, herzliche Gratulation zur Beförderung zum Leitenden Arzt und zur neuen Funktion.

Vielen Dank.

Seit gut einem Monat sind Sie in Ihrer neuen Funktion tätig. Was hat sich geändert bzw. wird sich verändern?

Es liegt mir viel daran, die Kluft zwischen Somatik und Psychiatrie zu schliessen. Noch gibt es zu viele Brüche in der Behandlungskette, wenn Patienten zwischen somatischer und psychiatrischer Abklärung und Behandlung «hin und her geschickt» werden. Das soll sich ändern. Dank unserer Anfang 2018 neu gestarteten psychosomatischen Sprechstunde im Spital Wil, unserer Konsiliar- und Liaisontätigkeit und unserer polydisziplinären ambulanten Behandlung sollen die bestehenden Schnittstellen zwischen somatischer und psychiatrischer Versorgung zu Nahtstellen werden.

Im Sinne eines ganzheitlichen Krankheitsverständnisses bin ich der Meinung, dass die Somatik und die Psychiatrie nicht zu trennen sind. Hinzu kommt der bio-psycho-soziale Aspekt, der ebenfalls sehr bedeutungsvoll für die Patienten ist. Die Sozialarbeit rundet das ganzheitliche Verständnis erst ab.

«Schnittstellen zwischen somatischer und psychiatrischer Versorgung sollen zu Nahtstellen werden.»


Warum soll jemand einen Patienten an die Ambulanten Dienste der Psychiatrie St.Gallen Nord zuweisen?

Bei uns erhalten die Patienten zusätzlich zur psychiatrischen Behandlung eine fachlich hochstehende sozialarbeiterische Beratung und Unterstützung, falls erforderlich. Zudem haben wir eine Aufnahmepflicht, niederschwellige Zuweisungen sind jederzeit möglich. Normalerweise können wir innert ein bis vier Wochen nach der Anmeldung ein Erstgespräch anbieten. Als weiteren Vorteil kann ich die Therapieangebote nennen, die Patienten bei uns nutzen können. Allen voran die Kreativtherapien in den Ateliers – Living Museum und im Naturatelier. Diese Ateliers erfreuen sich grosser Beliebtheit. Hinzu kommen die spezifischen psychotherapeutischen Angebote, die aktuellste Methoden für die spezifische Behandlung bestimmter psychiatrischer Erkrankungen umfassen.

Stehen die Ambulanten Dienste der Psychiatrie St.Gallen Nord in Konkurrenz mit den niedergelassenen Psychiatern?

Ganz generell – da darf ich für das gesamte Unternehmen sprechen – liegt uns viel daran, mit den Zuweisern und mit den niedergelassenen Psychiatern im Austausch zu stehen. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz. So ist es für uns selbstverständlich, dass ein Patient nach einem stationären Aufenthalt bei der Psychiatrie St.Gallen Nord durch den zuweisenden Psychiater ambulant nachbehandelt wird und nicht durch uns. Das Angebot der Ambulanten Dienste Wil soll das Versorgungsangebot der niedergelassenen Psychiater ergänzen. So ist es beispielsweise möglich, Patienten zu speziellen Untersuchungen wie etwa zu einer ausführlichen psychodiagnostischen Abklärung, zu uns zu schicken.

Sie erwähnen insbesondere die sozialarbeiterische Beratung. Weshalb?

Die Bedeutung der sozialarbeiterischen Beratung, Unterstützung und Interventionen wird häufig unterschätzt. Meiner Ansicht nach muss die Sozialarbeit längerfristig tendenziell ausgebaut werden. Mit der Sozialpsychiatrie der Psychiatrie St.Gallen Nord verfügen wir zudem über ein ausgezeichnetes Alleinstellungsmerkmal. Oft werden uns Patienten gerade deshalb zugewiesen, weil sie neben einer ambulanten psychiatrischen Behandlung auch noch sozialarbeiterische Unterstützung benötigen.

Die ambulanten Dienste werden immer mehr ausgebaut, ganz nach dem Trend «ambulant vor stationär». Wo führt das hin?

Dieser politisch gewollte Trend ist für die meisten Patienten sehr positiv, da sie lieber ambulant behandelt werden wollen als stationär in einer psychiatrischen Klinik. Natürlich unterstützen wir das, auch wenn es für das Unternehmen aus rein ökonomischer Sicht wenig attraktiv ist. Es ist leider immer noch so, dass die Kliniken ihren Umsatz hauptsächlich mit dem stationären Geschäft machen.

Wünschbar ist ein weiterer Ausbau der komplementärmedizinischen Angebote, ein Ausbau der psychosomatischen Sprechstunden wie auch der aufsuchenden Dienste.

Und wie sieht die psychiatrische Versorgung der Zukunft aus?

Die Nachfrage nach psychiatrischen Behandlungen wird weiterhin gross und kaum zu befriedigen sein. Es wird mehr ambulante und bedeutend mehr aufsuchende psychiatrische Angebote geben.

Andreas Fuchs persönlich

Dürfen wir Ihren beruflichen Werdegang in groben Zügen erfahren?

Das Staatsexamen habe ich 1996 in Zürich abgelegt. Verschiedene Tätigkeiten, so jeweils ein Jahr in der Pathologie und Radiologie folgten. Seit 1999 bin ich der Psychiatrie treu. Via Psychiatrische Klinik Sanatorium Kilchberg und Ambulante Psychiatrische Dienste des Kantons Zug bin ich im Januar 2006 in Wil gelandet und hängen geblieben.

Auch hier, in der Psychiatrie St.Gallen Nord, habe ich in verschiedenen Bereichen gearbeitet:

  • viereinhalb Jahre lang als Leiter des Ambulatoriums Wil
  • knapp zweieinhalb Jahre Projektarbeit zur Konzeptualisierung und Einführung der Leistungserfassung
  • von Anfang Februar 2013 bis Ende Januar 2018 als Oberarzt und medizinischer Leiter der Station A07 der Alters- und Neuropsychiatrie

2011 habe ich berufsbegleitend eine Seminarausbildung Medizincontroller bei H+-Bildung absolviert und Ende 2014 den Master of Advanced Studies in Health Service Management an der Fachhochschule St. Gallen abgeschlossen.

Zudem bin ich seit mehreren Jahren in der Aus- und Weiterbildung von Ärzten tätig als Tutor wie auch als Organisator von Studenten- und POL-Kursen.

Welches werden Ihre Hauptaufgaben als Leiter der ambulanten Alters- und Neuropsychiatrie Wil, des K&L-Dienstes Wil und des Ambulatoriums Wil sein?

Neben der administrativen und fachlichen Leitung bin ich hauptsächlich im Konsiliardienst im Spital Wil wie auch in der ambulanten Nachbetreuung tätig. Zusätzlich behalte ich meine Funktion in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung bei.

Was für ein Mensch sind Sie? Wie charakterisieren Sie sich selbst?

Ich bin eher der integrierende als der polarisierende Typ. Ich entwickle gerne Bestehendes weiter, handle besonnen, bin konstant und beharrlich.

Gibt es ein Lebensmotto, das Sie beherzigen?

Es gibt viele kleine Freuden – geniesse diese!

Sie sind beruflich ein vielbeschäftigter Mann, bleibt da noch Zeit für ein Hobby?

Das Wichtigste ist für mich meine Familie. Entsprechend viel Zeit verbringe ich mit meinen zwei Kindern und meiner Frau. Insgesamt bin ich recht genügsam und brauche wenig, um zufrieden zu sein. Viel Zeit für Hobbies bleibt ohnehin nicht.

Herzlichen Dank, Andreas Fuchs, für Ihre Ausführungen und das spannende Gespräch.

Der Leitende Arzt Dr. med. Andreas Fuchs ist zuständig für:
  • Ambulante Alters- und Neuropsychiatrie Wil
  • Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie am Spital Wil
  • Ambulatorium Wil (inkl. Spezialsprechstunde Frühpsychose), Spezialsprechstunden Angst- und Zwangsstörungen, Krisenambulatorium