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Demenz oder nicht? Eine ambulante Abklärung in der Memory Clinic bringt Klarheit.

12.12.2018, Dialog

Gedächtnisstörungen können vielfältige Ursachen haben und zu Angst und Unsicherheit führen – vor allem zu Angst vor der Entwicklung einer Demenz. Eine Abklärung und Beratung in der Memory Clinic kann Klarheit bringen. Wenn nötig, leiten wir auch eine spezifische Behandlung ein, denn eine Besserung der Gedächtnisstörung kann erzielt werden. Im Fall der Diagnose einer Demenz stehen heute Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, welche die Krankheit zwar nicht heilen, die Symptome aber lindern und die Lebensqualität des Patienten und der Angehörigen markant verbessern können.

Stephanie Kaiser, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Oberärztin und Leiterin Memory Clinic, gibt im folgenden Interview Auskunft darüber, was bei einer Abklärung in der Memory Clinic auf den Patienten zukommt, welche Möglichkeiten die Abklärung bietet und welche therapeutischen Folgerungen sich daraus ergeben können.

Abklärung oder nicht? Was empfehlen Sie im Zweifelsfall?

Wenn Gedächtnisstörungen vorliegen, die man selbst wiederholt bemerkt, die als störend empfunden werden oder die vom engeren sozialen Umfeld mehrfach beobachtet werden, sollte man den Hausarzt konsultieren. Bei Unsicherheiten über die Gedächtnisleistung während längerer Zeit, ist eine Abklärung in der Memory Clinic angezeigt. Denn diese bringt Klarheit.

Die Memory Clinic der Psychiatrie St.Gallen Nord stellt ein zusätzliches, spezielles Abklärungsangebot dar, bei dem vor allem Behandlungsvorschläge resultieren. Der enge Austausch mit den niedergelassenen Ärzten erachten wir als unabdingbar, um den Patienten eine optimale Therapie innerhalb des gesamten Versorgungsnetzes zur Verfügung zu stellen.

In den meisten Fällen können wir aufzeigen, ob eine kognitive Einschränkung vorliegt, was die Ursache sein könnte und was man machen kann. Wir besprechen unsere Behandlungs- oder weiteren Abklärungsempfehlungen ausführlich mit allen Beteiligten. Sollte sich herausstellen, dass die Beschwerden einem üblichen Alterungsprozess entsprechen, tut dies zum einen allen sehr gut zu wissen und zum anderen können wir auch in diesem Fall Empfehlungen und Tipps mitgeben, um die kognitive Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter zu erhalten.

Es ist uns ein Anliegen, den Patienten die Angst vor der Abklärung und auch der möglichen Erkrankung zu nehmen und sie auch nicht mit der Diagnose Demenz – falls diese diagnostiziert wird – allein zu lassen.

Wie läuft eine Abklärung in der Memory Clinic ab?

Wir führen eine umfassende, ambulante Abklärung der Hirnfunktionen durch. Eine Vertrauensperson sollte, wenn möglich, den Patienten zu dieser Untersuchung begleiten. In der Memory Clinic sind zwei Termine vorgesehen.

Am ersten Termin finden eine ärztliche Untersuchung, das Gespräch der Psychiaterin mit dem Patienten, das Gespräch der Psychologin mit der Vertrauensperson und die Untersuchung der Hirnfunktionen durch die Psychologin statt. Dauer 2 ½ bis 3 Stunden.

Am zweiten Termin besprechen wir die Untersuchungsergebnisse mit dem Patienten und der Vertrauensperson. Wir diskutieren die Gründe der Gedächtnisstörung und schlagen Behandlungsmöglichkeiten vor. Dabei geht es unter anderem um Themen wie Wohnen, Alltagsgestaltung, Autofahren und die Planung der Zukunft. Bei diesem Termin, der ca. eine halbe Stunde dauert, stellen wir auch immer die zahlreichen Unterstützungsmöglichkeiten unserer Angehörigenberatung vor.

Die spätere Behandlung der Patienten richtet sich nach dem Ergebnis der durchgeführten Untersuchung. Wir erarbeiten einen Behandlungsvorschlag, besprechen diesen mit den Patienten und Angehörigen und teilen ihn dem Hausarzt mit. Die weitere Behandlung liegt dann wieder in seinen Händen. Eine Weiterbehandlung durch uns (z.B. ambulant, tagesklinisch oder stationär) kann bei Bedarf auf Anmeldung durch den Hausarzt erfolgen.

Welche Beschwerden sind Anlass für eine Untersuchung in der Memory Clinic?

Die Hauptbeschwerden der untersuchten Patienten sind Gedächtnisstörungen und Orientierungsschwierigkeiten. Diese zeigen sich in vielen Formen:

  • Termine vergessen
  • Betroffene wiederholen Fragen, die im Vorfeld bereits besprochen wurden und eigentlich bekannt sein müssten.
  • Es fällt schwer, Neues wie die Namen von Mitmenschen zu erlernen. • Mühe, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden.
  • Komplizierte Tätigkeiten mit mehreren Handlungsschritten fallen schwer oder funktionieren nicht mehr, z.B. das Bedienen eines neuen Gerätes (Telefon, Herd u.a.).
Wem fallen diese Beschwerden auf?

Teilweise fallen die Beschwerden dem Patienten selbst auf. Manchmal stellen aber auch Mitmenschen den veränderten Zustand des Betroffenen als erste fest. In vielen Fällen entwickeln sich die Beschwerden schleichend. Zahlreiche Betroffene halten die Gedächtnisstörungen und anderen Auffälligkeiten zu Beginn für altersbedingt und somit normal. Erst nach einer längeren Beobachtung oder häufiger und deutlicher auftretenden Beschwerden kommt der Gedanke auf, dass es sich um mehr als nur das normale Altern handeln könnte.

Wie oft diagnostizieren Sie denn Demenz?

In rund 60% der Fälle diagnostizieren wir eine Demenz. Oft führen die Beschwerden und Auffälligkeiten aber nicht zur Diagnose einer Demenz, sondern wir diagnostizieren eine kognitive Einschränkung, die verschiedenste Ursachen haben kann, wie z.B. eine Depression, eine Angststörung, verschiedene Stoffwechselstörungen oder auch alleine eine Schlafstörung.

Warum soll ein zuweisender Arzt die Memory Clinic der Psychiatrie St.Gallen Nord wählen? Bzw. was ist besonders am Angebot der Psychiatrie St.Gallen Nord?

Unsere Memory Clinic ist seit über zehn Jahren Mitglied des Vereins Swiss Memory Clinics und folgt den entsprechenden Standards. Als interdisziplinäres Team, bestehend aus mir als Psychiaterin und Psychotherapeutin, dem Psychiater und Neurologen Stephan Goppel, der Neuro-Psychologin Margit Anwander und der Sachbearbeiterin Carolin Altherr, verfügen wir über die nötigen fachlichen Kompetenzen und langjährigen Erfahrungen.

Hinzu kommt, dass ältere Menschen weniger mobil sind als jüngere. Wohnortsnähe ist entscheidend. Daher stellen wir der Bevölkerung in unserer Region ein optimales Angebot für Diagnostik und Therapie der Gedächtnisstörungen bereit. Denn wir sind davon überzeugt, dass durch eine gute Abklärung auch eine optimale Therapie – im Rahmen der Möglichkeiten – vorgenommen werden kann. Auch wenn Demenzen derzeit (noch) nicht ursächlich behandelt und geheilt werden können, sind sie doch behandelbar. In vielen Fällen ermöglichen es die Resultate, die sich aus der Diagnostik ergeben, eine deutliche Verbesserung des Befindens des Patienten sowie der Lebensqualität für den Patienten und die Angehörigen zu erzielen.

Zudem liegt uns viel daran, die Patienten wie auch die Angehörigen ernst zu nehmen, auf sie einzugehen und ihnen wertvolle Empfehlungen und Tipps mit auf den Weg zu geben. Wie geht man am besten mit der Erkrankung um? Was könnte guttun? Auch legen wir Wert darauf, den Hausärzten als Gesprächspartner mit Rat und Behandlungsvorschlägen zur Seite zu stehen.

Wozu raten Sie einem Hausarzt, der bei einem Patienten den Verdacht auf Demenz hat, der Patient aber keine Abklärungen wünscht?

Zwingen kann man niemanden. Wir bieten dem Hausarzt an, im Zweifelsfall mit uns Kontakt aufzunehmen. Ein Austausch kann oft mehr Klarheit geben und dem Hausarzt Argumente liefern, mit denen er den Patienten überzeugen kann, doch eine Abklärung zu machen.

Weiter bieten wir auch an, einen Patienten erst einmal zu einem Gespräch in unserem Ambulatorium zu begrüssen. So kann ich mir bereits ein Bild machen von der Situation und auch selbst besser entscheiden, ob eine weitere Abklärung nötig wäre. Die Erfahrung zeigt, dass ein Gespräch Vertrauen schafft und ich gemeinsam mit dem Patienten (und evtl. Angehörigen) die Situation und die Umstände besser einordnen kann. Manche Patienten sind dann schliesslich eher dazu bereit, in einem zweiten oder dritten Schritt eine Abklärung zu machen.

Eventuell haben Patienten aber auch Angst vor der Psychiatrie. Wie lautet Ihr Rat in diesem Fall?

Es ist tatsächlich so, dass einige Menschen Überwindung brauchen, eine Abklärung in der Psychiatrie zu machen. Wir raten den Hausärzten, den Patienten diese Angst zu nehmen, indem sie informieren, aufklären und empfehlen. Insbesondere kann darauf hingewiesen werden, dass die Abklärungen in unserer Memory Clinic nach dem Standard der Swiss Memory Clinics erfolgen – nach dem gleichen Konzept wie in den anderen Memory Clinics. Und eben, es gibt auch die Möglichkeit zunächst zu einem Gespräch in das Ambulatorium zu kommen.

Die Angehörigen spielen eine besondere Rolle – inwiefern?

Wir beziehen die Angehörigen bzw. eine Vertrauensperson möglichst von Anfang an mit ein. Denn sie bieten mit ihren Beobachtungen und Erlebnissen mit den Patienten wichtige Informationen. Zudem unterstützen die Angehörigen den Patienten. Sie können dazu beitragen, dass der Alltag besser gemeistert werden kann. Die Angehörigen sind aber auch diejenigen Menschen, die unter den veränderten Umständen zum Teil stark leiden.

Wir bieten deshalb immer auch den Dienst unserer Angehörigenberatung an und stellen gegebenenfalls unsere Angehörigenberaterin, Edith Scherer, auch gleich vor.

Je früher man Gedächtnisstörungen und andere Hirnfunktionsstörungen untersucht, desto besser! Warum ist dem so?

Erst, wenn die Ursache bekannt ist, können die richtige Behandlung und alle weiteren Schritte der Betreuung eingeleitet werden. Mit einer frühen und gründlichen Abklärung sorgen wir für die bestmögliche Lebensqualität für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Je früher die Behandlung beginnt, umso länger kann der Patient noch ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben führen und bei entsprechender Vorbereitung noch länger in seinem gewohnten Umfeld leben.

Wo führen Sie die Untersuchungen durch?

Hauptstandort der Memory Clinic der Psychiatrie St.Gallen Nord ist in Wil. Untersuchungen und Ergebnisbesprechungen finden auf Wunsch aber auch an unseren Standorten in St. Gallen oder Rorschach statt.

Wie werden Patienten zu diesen Untersuchungen angemeldet?

Anmeldungen zur Untersuchung in der Memory Clinic erfolgen über den Haus- oder Facharzt. Dieser kann die Anmeldung vornehmen, indem er das entsprechende Formular auf unserer Website ausfüllt. Natürlich ist aber auch eine Anmeldung auf dem Postweg möglich.

Welche Untersuchungen muss der zuweisende Arzt vor der Abklärung in der Memory Clinic machen?

Der Hausarzt veranlasst eine Bildgebung des Kopfes und Laboruntersuchungen (Blutentnahme). Falls Berichte von Spitalaufenthalten oder früheren Untersuchungen vorliegen, sind wir froh diese zu erhalten, da wir uns so ein umfassendes Bild vom Patienten, seiner Situation, evtl. Vorerkrankungen etc. machen können.

An wen kann man sich bei Fragen und/oder für weitere Auskünfte wenden?

Telefonische Auskunft erteilt Carolin Altherr unter 071 913 12 41, schriftlich unter memoryclinic@psgn.ch. Für fachliche Auskünfte stehen ich (071 923 01 01) oder Margit Anwander (071 913 11 11) gerne zur Verfügung.

Memory Clinic, zusätzliche Therapieangebote und Fort- und Weiterbildungsangebote

Beachten Sie bitte auch unsere zusätzlichen Therapieangebote sowie unsere vielzähligen Fort- und Weiterbildungsangebote aus dem gesamten Spektrum der Psychiatrie und Psychotherapie.

Stephanie Kaiser persönlich

Haben Sie ein Lebensmotto?

Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man kann.

Hobbies/Interessen/Familie?

Ich treibe häufig Sport, habe eine Vorliebe fürs Theater und vergesse gerne die Zeit beim Lesen.

Herzlichen Dank, Stephanie Kaiser, für Ihre Ausführungen und das spannende Gespräch.